Tipps für die Organisation Ihres Schwerpunkt-Studiums

Das Schwerpunkt-Studium gilt unter Jurastudierenden zu Recht als Stressfaktor. Zwischen dem vierten und sechsten Semester sollen parallel zu den anspruchsvollen großen Scheinen im Zivil-, Straf- und Öffentlichen Recht Prüfungsleistungen in einem selbst gewählten Spezialbereich erfolgen, die bereits für die spätere Examensnote zählen.

Es bedarf daher einer genauen Planung, um die großen Scheine mit dem Schwerpunkt sinnvoll zu koordinieren und zugleich das Ziel einer guten Note auch in der Staatsprüfung nicht aus dem Auge zu verlieren. Dies ist aber, vernünftige Studienplanung vorausgesetzt, durchaus möglich. Hierbei sollen Ihnen die folgenden Gedanken helfen.

Erste Konsequenz des Schwerpunkts: Es wird früher ernst!

Was ändert sich durch das neu eingeführte Schwerpunktstudium gegenüber dem "alten Jurastudium"? Vereinfacht könnte man sagen, das Staatsexamen nach der neuen JAPrO ist das "alte Staatsexamen plus X". Bestand das alte Staatsexamen nämlich praktisch ausschließlich darin, am Ende seines Studiums binnen zwei Wochen sieben Klausuren herunterzuschreiben, kommt bei dem Staatsexamen nach der neuen JAPrO nun die sog. "Universitätsprüfung" hinzu.

Diese findet nach dem Studienplan verteilt auf das 4. bis 6. Semester statt und besteht aus mindestens einem Seminar sowie weiteren Veranstaltungen zu einem von den Studierenden selbst zu wählenden Schwerpunktbereich (vgl. hierzu das Ranking der Jura-Schwerpunktbereiche an der Uni Freiburg unter auf der Website des Repetitoriums Hofmann).

Da die Ergebnisse der Universitätsprüfung damit auch für die spätere Examensnote zählen, ist die erste Konsequenz aus der neuen JAPrO somit leider: Es wird "früher ernst"!

Kaum Entlastung beim Staatsprüfungsteil

Zugleich ist jedoch zu berücksichtigen, dass das alte Klausur-Staatsexamen, das nun als sogenannte "Staatsprüfung" fortlebt, durch die Reform keineswegs entlastet wurde. Zwar wurde die Zahl der Klausuren von 7 auf 6 Klausuren reduziert (eine Strafrechts-Klausur ist weggefallen), der Pflichtfachstoff ist jedoch im wesentlichen derselbe geblieben, d. h. durchaus umfangreich (vgl. hierzu den Muster-Lernplan einer AG für das erste Staatsexamen im download-Bereich auf der Website des Repetitoriums Hofmann). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch die Gewichtung von Universitäts- und Staatsprüfung in der Examens-Gesamtnote: Hier fließt die Universitätsprüfung nur mit 30 Prozent, die Staatsprüfung hingegen mit 70 Prozent in das Ergebnis ein.

Zweite Konsequenz aus der JAPrO-Reform muss für Sie daher sein, auch die Staatsprüfung von vornherein nicht zu vernachlässigen! Die Versuchung hierzu wird gerade in den mittleren Semestern groß sein: Hat man nämlich zwischen dem 4. und dem 6. Semester mit der Universitätsprüfung in dem Bewusstsein zu tun, dass deren Ergebnisse in die zukünftige Staatsexamensnote mit einfließen und damit für die weiteren Berufschancen von unmittelbarer Bedeutung sein werden, liegt es nahe, sich zunächst einmal ausschließlich auf seinen Schwerpunktbereich zu konzentrieren und darüber den Pflichtfachstoff zu vernachlässigen.

Am Ende des sechsten Semesters steht man dann möglicherweise praktisch ohne Kenntnisse in den Pflichtfächern da, hat aber nicht einmal mehr zwei volle Semester bis zum Freischuss. Diese Situation gilt es von vornherein zu verhindern.

Akzeptanz des Schwerpunkts bei Arbeitgebern

Für eine starke Berücksichtigung der Staatsprüfung in der Examensvorbereitung auch bereits in den mittleren Semestern spricht jedoch noch ein weiterer Aspekt: Es bestehen zwar noch wenig empirischen Daten über die Akzeptanz des neuen Examens bei juristischen Arbeitgebern in Wirtschaft und Kanzleien, es ist aber zu erwarten, dass diese bei Bewerbungen stärker auf das Ergebnis in der Staatsprüfung als auf das in der Universitätsprüfung schauen werden.

Anders ausgedrückt, scheint das Vertrauen von Wirtschaft und Anwaltskanzleien in die Objektivität universitärer Prüfungen nicht gerade groß zu sein. Dort wird man sich möglicherweise eher auf die Ergebnisse der als objektiver empfundenen Benotungen in der vom Justizministerium abgenommenen Staatsprüfung verlassen. Dies ist den Arbeitgebern auch möglich, da die Ergebnisse von Staats- und Universitätsprüfung nach der neuen JAPrO im Staatsexamenszeugnis - zumindest in Baden-Württemberg - getrennt ausgewiesen werden müssen.

Besonderheiten beim Staatsdienst

Anderes gilt freilich wiederum für diejenigen Studierenden, die eine Einstellung in den Staatsdienst anstreben. Hier gehört die Leistung in der Universitätprüfung genauso wie die in der Staatsprüfung zur fachlichen Qualifikation, auf deren Berücksichtigung der Bewerber theoretisch sogar einen einklagbaren Rechtsanspruch hat. Ein herausragendes Ergebnis in der Universitätsprüfung kann daher unter Umständen ein nicht ganz so großartiges Ergebnis in der Staatsprüfung ausgleichen und dem Bewerber helfen, die Notenschwelle für die Einstellung in den Staatsdienst zu meistern.

Auch insoweit wird aber aufgrund der prozentualen Verteilung der Ergebnisse von Staats- und Universitätsprüfung in der Gesamtnote auch eine noch so gute Universitätsprüfung kaum ein nur knapp ausreichendes Ergebnis in der Staatsprüfung ausgleichen, zumal auch beim Staat zu erwarten ist, dass er zumindest stärker auf die Staatsprüfungsnote "schielt".

Beide Prüfungen müssen bestanden werden!

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass sowohl die Universitäts- als auch die Staatsprüfung beide für sich mit insgesamt mindestens 4,0 Punkten bestanden werden müssen. Es ist also nicht möglich, durch ein gutes Ergebnis in der Universitätsprüfung eine Unterwertung in der Staatsprüfung auszugleichen. All das führt zu der vielleicht wichtigsten (und deshalb wiederholt ausgesprochenen) bei der neuen JAPrO zu beachtenden Empfehlung für Sie: Auch schon während der Universitätsprüfung die Vorbereitung auf die Staatsprüfung nicht zu vernachlässigen.

Schon während des Schwerpunktes die Staatsprüfung im Auge haben

Dies mag sich zunächst nach fürchterlichem Stress anhören, lässt sich aber bei vernünftiger Studienplanung durchaus unter einen Hut bringen: So bieten sich etwa die nach wie vor zwischen dem 4. und 6. Semester zu absolvierenden "großen Scheine" hervorragend dazu an, sich hierbei gleich auf den Pflichtfachstoff der Staatsprüfung mit vorzubereiten. Der Stoff der drei großen Scheine ("großer BGB", "großer Straf" und "großer Ö") entspricht nämlich weitgehend dem Pflichtfachstoff des Examens.

So könnten Sie beispielsweise bereits während der großen Scheine damit beginnen, Karteikarten für die betreffenden Gebiete anzulegen, aus denen Sie dann in der Staatsprüfungs-Phase wiederholen können. Berücksichtigen sollten Sie dabei übrigens, dass nach der neuen JAPrO im Staatsexamen wie bereits erwähnt nur noch eine Strafrechts-Klausur geschrieben wird. Die Vorbereitung im Strafrecht ist daher zugunsten der anderen Fächer entsprechend anzupassen.

Auch sollte man sich von dem großen Wort "Universitätsprüfung" nicht blenden lassen: Diese lässt sich durchaus in vertretbarem Zeitaufwand bewältigen. Gerade hierbei kommt es jedoch entscheidend darauf an, die Weichen richtig zu stellen.

Zeitlichen Aufwand für den Schwerpunkt gering halten

Wichtig ist insoweit zunächst, sich klar zu machen, dass es bei der Gestaltung der eigenen Universitätsprüfung aufgrund der oben beschriebenen Konkurrenz zur Staatsprüfung entscheidend darauf ankommt, den zeitlichen Aufwand geringzuhalten.

Dies beginnt bei der Auswahl des richtigen Schwerpunktbereichs (SPB) (hierzu auch weitere Tipps im schon zitierten Ranking der Schwerpunkte Jura der Uni Freiburg auf der Website des Repetitoriums Hofmann). Zwar sollten hierbei insbesondere auch die eigenen Interessen und Neigungen sowie die Verwertbarkeit des entsprechenden Themenfeldes auf dem juristischen Arbeitsmarkt eine Rolle spielen. Vernachlässigen Sie jedoch auf keinen Fall, dass die verschiedenen SPBs sich auch im geforderten Zeitaufwand massiv unterscheiden.

Dies liegt zum einen daran, dass die hinter den SPBs stehenden Juraprofessoren verschieden hohe Anforderungen haben. Auch das fachliche Niveau der Studierenden in verschiedenen SPBs wird sich unterscheiden. Während sich in den sehr beliebten SPBs möglicherweise viele "Cracks" tummeln werden, sind Sie in einem eher nischenmäßigen SPB möglicherweise rasch der "Hecht im Karpfenteich".

Insbesondere in denjenigen SPBs, die für die meisten Studierenden nur zweite oder dritte Wahl sind, werden die Professoren und Dozenten für jeden engagierten Studierenden dankbar sein. Möglicherweise ist es hier mit geringerem Aufwand möglich, eine gute Note zu erzielen.

Kontakt zu den Professoren und Assistenten Ihres Schwerpunktes

Wichtig ist auch, sich klar zu machen, dass die Universitätsprüfung anders als die Staatsprüfung (wo sie die Klausuren mit einer Nummer unterschreiben und kein Korrektor weiß, wer Sie sind) keine anonyme Prüfung ist. Spätestens mit Ihrem Seminarreferat verpassen Sie sich in Ihrem SPB eine "Hausnummer". Da Menschen, die sich persönlich kennen, jedoch nicht nur nach objektiven Kriterien entscheiden, sollten Sie darauf achten, dass zumindest Ihr Gesicht vorher an den Lehrstühlen Ihres SPBs bekannt wird.

Besuchen Sie die Veranstaltungen Ihres SPBs regelmäßig. Nutzen Sie die entsprechenden Veranstaltungen, um Ihren Professoren nach der Stunde noch eine Frage zu stellen. Machen Sie dabei deutlich, dass Sie sich für das betreffende Themengebiet wirklich interessieren. Versuchen Sie, auch das Lehrstuhlumfeld zu erkunden und etwa bei Gelegenheit eines Seminars mit den Assistenten des Professors ins Gespräch zu kommen. Sie erfahren dabei viele interessante und wichtige Hintergrundinformationen, und man wird sich bei den Prüfungen an Sie erinnern. Übrigens sind auch die Assistenten nach der JAPrO in die Abnahme von Prüfungen und deren Bewertung mit eingebunden.

Schwerpunkt ist eine Chance auf das Prädikat!

Behalten Sie auch den zentralen Vorteil der Aufteilung in Staats- und Universitätsprüfung im Auge: Da das Erreichen einer oberen Prädikatsnote in der Universitätsprüfung einfacher ist als im alten Staatsexamen, dürfte es auch mehr Juristen als bisher möglich sein, zumindest in der Gesamtnote in den erlauchten Kreis der Prädikatsjuristen aufzusteigen.

Ganz egal, nach welcher JAPrO Sie dann Ihr Examen gemacht haben, Sie werden dann vom Nimbus des Prädikatsjuristen auf dem juristischen Berufsmarkt ein Leben lang profitieren.

Ich hoffe, die oben angeführten Überlegungen haben Ihnen bei Ihrer Entscheidung geholfen, wie Sie Ihr Studium nach der neuen JAPrO angehen wollen. Falls Sie weitergehende Fragen zum Studium nach der neuen JAPrO haben, steht Ihnen das Repetitorium Hofmann als Berater in allen Fragen der Studien- und Examensplanung jederzeit zur Seite.

Mehr zum Thema:

Ranking der Schwerpunkt-Bereiche an der Uni Freiburg